Das Tier, das zurückschaut.
Auf trockenen, sonnigen Flächen sitzt die Gottesanbeterin reglos an einem Halm und dreht den Kopf mit, wenn du näher kommst. Kein anderes Insekt bei uns tut das. Auf unserem Feld wurde sie gesehen – und 2026 wird sie in Deutschland so oft gemeldet wie noch nie.
Gerade jetzt: Jetzt sind die Tiere unterwegs. Ausgewachsene Gottesanbeterinnen sind von Juli bis in den November zu finden. Im Spätsommer sind die Weibchen schwer von Eiern und bewegen sich kaum – das ist die einfachste Zeit im Jahr, sie zu entdecken. Wer ab Oktober sucht, findet nebenbei die ersten Eipakete an den Halmen.
Vier Merkmale, in der Reihenfolge, in der sie auffallen.
Größe und Haltung
Weibchen werden bis rund acht Zentimeter lang, Männchen bleiben deutlich kleiner. Das Tier sitzt aufrecht und reglos an einem Halm – die Silhouette ist schmal und lang wie ein Stängel.
Die Fangbeine
Die Vorderbeine sind zu Fangbeinen umgebildet und angewinkelt vor dem Körper getragen. Das hat kein anderes Insekt bei uns – wenn du die siehst, ist die Sache entschieden.
Der Kopf dreht sich mit
Ein großer, dreieckiger, beweglicher Kopf auf einem verlängerten Halsschild. Sie dreht ihn dir nach, wenn du näher kommst. Genau das bleibt hängen.
Der schwarze Fleck
An der Basis der Innenseite der Vorderhüften sitzt ein schwarzer, oft weiß gekernter Fleck. Für die sichere Bestimmung – und nur aus der Nähe zu sehen.
Womit du sie verwechseln kannst. Am ehesten mit einer großen grünen Heuschrecke – die sind hier häufig und ähnlich groß. Der Unterschied ist aber eindeutig: Fangbeine hat nur die Gottesanbeterin. Du musst also nicht raten, du kannst nachsehen. Und die Farbe sagt nichts: Von zartgrün bis beige ist alles dieselbe Art.
Nicht über die Fläche schauen – die Halme absuchen.
- Warme, trockene, sonnige Stellen mit krautiger Vegetation – das ist ihr Lebensraum, nicht der Schatten.
- An höheren, trockenen Halmen und Stauden, meist in Kopf- bis Hüfthöhe. Nicht am Boden suchen.
- An sonnigen Tagen in den warmen Stunden. Bei Wind und Kühle lohnt es kaum.
- Langsam gehen und die Halme einzeln absuchen, statt über die Fläche zu schauen. Sie bewegt sich fast nicht und fällt nur auf, wenn man eine Silhouette sucht.
- Am Feldrand an Besenginster, Goldruten und Rainfarn – dort sitzt sie getarnt.
Schatten gibt es auf dem Feld kaum – genau deshalb ist das hier ihr Lebensraum. Was für einen Sommernachmittag ein Nachteil ist, ist für eine wärmeliebende Art die Voraussetzung.
Sie läuft nicht weg. Das ist kein Angebot.
Die Gottesanbeterin ist eine besonders geschützte Art nach der Bundesartenschutzverordnung. Nicht fangen, nicht anfassen, nicht umsetzen und auf keinen Fall in ein Glas – auch nicht kurz, auch nicht zum Zeigen.
Fotografieren ist dagegen ausdrücklich erwünscht, und mehr braucht es auch nicht: Sie hält still. Wer sie eine Minute lang ansieht, hat mehr davon als jeder, der sie in der Hand hatte.
Drei Schritte – und vier Dinge, die als Fund zählen.
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Melde-App aufrufen
Läuft im Browser, ohne Installation – mit Bestimmungshilfe und einem bebilderten Formular.
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Foto machen
Ein Bild genügt. Bundesweit sind 77 Prozent aller Meldungen mit Foto belegt – das macht sie erst überprüfbar.
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Fund eintragen
Als Gebiet wählst du naturfeld-erleben aus. Dafür brauchst du einmalig ein kostenloses Konto bei NABU|naturgucker.
Das alles zählt als Fund:
- ausgewachsene Tiere
- Larven jeder Größe
- Eipakete
- leere Eipakete nach dem Schlupf
Zur Melde-App von naturgucker (öffnet in einem neuen Tab) Aktion „Gottesanbeterin & Co."
Die Suche, die auch im Winter funktioniert.
Nach der Paarung legt das Weibchen ein Eipaket ab – rund vier Zentimeter lang, hart und beige, an einem Halm oder Stängel. Darin überwintern viele Eier, und im Mai oder Juni schlüpfen die Larven: winzige Ausgaben der erwachsenen Tiere, mit denselben Fangbeinen.
Das Paket bleibt den ganzen Winter sichtbar. Wer im Oktober eins entdeckt und sich die Stelle merkt, kann im Mai nachsehen, was daraus geworden ist – und das leere Paket daneben ist dann ebenfalls eine Meldung wert.
Eine Art, deren Gebiet sich gerade verschiebt.
Seit Anfang der 1990er Jahre erweitert die Gottesanbeterin ihr Areal in Mitteleuropa deutlich nach Norden. Die östliche Population stammt aus Tschechien und ist inzwischen in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt anzutreffen – also hier.
2026 ist dabei ein besonderes Jahr: Bis Anfang August lagen die Meldungen bereits weit über dem bisherigen Höchstwert aus 2025. Der warme Frühling hat die Entwicklung der Eier beschleunigt und Ende Juli zu einem Schub geführt. NABU|naturgucker hat seine Auswertung dazu „2026 – das Jahr der Gottesanbeterin?" genannt.
Wo genau sie vorkommt, lässt sich nicht am Schreibtisch feststellen. Es ergibt sich aus einzelnen Meldungen von einzelnen Orten – und ein Fund auf diesem Feld ist einer davon. Die Auswertung im Original (öffnet in einem neuen Tab)
Was Leute uns dazu fragen.
Am ehesten mit einer großen grünen Heuschrecke – die sind hier häufig und ähnlich groß. Das Unterscheidungsmerkmal ist eindeutig: Fangbeine hat nur die Gottesanbeterin. Sie trägt die Vorderbeine angewinkelt vor dem Körper, eine Heuschrecke nicht. Du musst also nicht raten, du kannst prüfen.
Nein. Die Grundfärbung reicht von zartgrün bis braun und beige, und beides sind dieselbe Art. Verlass dich auf die Fangbeine und den drehbaren Kopf, nicht auf die Farbe.
Nein. Die Gottesanbeterin ist eine besonders geschützte Art nach der Bundesartenschutzverordnung. Nicht fangen, nicht anfassen, nicht umsetzen und auf keinen Fall in ein Glas. Fotografieren ist ausdrücklich erwünscht – und mehr braucht es auch nicht, denn sie läuft nicht weg.
An sonnigen Tagen in den warmen Stunden. Ausgewachsene Tiere gibt es von Juli bis in den November; im Spätsommer sind die Weibchen schwer von Eiern und bewegen sich kaum, das ist die einfachste Zeit. Ab dem Herbst kommen die Eipakete dazu, die den ganzen Winter über an den Halmen bleiben.
Rund vier Zentimeter lang, hart und beige, und es sitzt an einem Halm oder Stängel. Das Weibchen legt es nach der Paarung ab, es überwintert dort, und im Mai oder Juni schlüpfen die Larven. Wer im Oktober eins entdeckt und sich die Stelle merkt, kann im Frühjahr nachsehen, was daraus geworden ist.
Auf unserem Feld wurde sie gesehen und fotografiert. Wie viele Tiere dort leben, wissen wir nicht, und ob du an einem bestimmten Tag eine antriffst, können wir nicht versprechen. Sicher ist nur: Sie breitet sich seit Anfang der 1990er Jahre nach Norden aus, und die östliche Population aus Tschechien ist inzwischen in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt anzutreffen.
Dann hast du trotzdem eine halbe Stunde genau hingeschaut.
Die meisten finden keine – deshalb ist ein Fund ja ein Ereignis. Wer langsam an trockenen Halmen entlanggeht, sieht aber zwangsläufig anderes: Wanzen, Schwebfliegen, Heuschrecken, Spinnen. Das lässt sich genauso melden, und dafür gibt es den allgemeinen Weg über die Bestimmungs-App. Und die Eipakete bleiben den ganzen Winter – die Suche geht also weiter, wenn die Tiere längst weg sind.
Und wenn der Nachmittag noch nicht vorbei ist?
Das Naturfeld ist klein und steht am Anfang – nach ein bis zwei Stunden hat man es gesehen. Was es drumherum sonst noch gibt:
- Fußballminigolf nebenan Grenzt direkt ans Naturfeld. Für alle, denen Schauen und Suchen zu ruhig ist, ist das hier das Naheliegendste – es ist allerdings ein eigener Betrieb und kostet Eintritt. www.fumingo.de (öffnet in einem neuen Tab)
- Bahnhof Lübs Fünf Gehminuten entfernt, an der Strecke zwischen Magdeburg und Dessau. Hierher und wieder weg geht also auch ohne Auto.
- Elberadweg Rund vier Kilometer entfernt, mit dem Rad etwa 15 Minuten – falls der Ausflug ohnehin auf zwei Rädern läuft.
Fumingo ist der Nachbar: Ihm gehört das Minigolf, und er betreibt den Kiosk, an dem unser Spielmaterial ausliegt. Außerdem fördert er das Naturfeld – das gehört zur Auskunft dazu. Kostenlos und ohne Anmeldung ist hier nur das Feld selbst.
Such sie dir selbst.
Am Wochenende ist geöffnet, der Eintritt ist frei. Bring Zeit mit und geh langsam.